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Kommunikation & Wirkung

Low Performance im Team ansprechen: Gesprächsleitfaden für Führungskräfte

Low Performance im Team früh und fair ansprechen: Mit diesem Gesprächsleitfaden klärst du Ursachen, Erwartungen und nächste Schritte.

09. September 2026 8 Min. Lesezeit

Low Performance im Team ansprechen: Gesprächsleitfaden für Führungskräfte KI-generiert

Der Abgabetermin ist vorbei, die Aufgabe liegt erneut unvollständig vor dir und im Team wächst der Frust. Vielleicht denkst du: „Das kann doch nicht immer wieder passieren.“ Trotzdem verschiebst du das Gespräch, weil du nicht unfair wirken, keine Rechtfertigungen hören oder die Beziehung nicht belasten möchtest. Genau dieses Zögern verschärft Low Performance häufig. Für die betroffene Person bleiben Erwartungen unklar, für das Team entsteht der Eindruck, unterschiedliche Maßstäbe würden gelten.

Anhaltende Leistungsschwäche anzusprechen gehört zu den anspruchsvollsten Führungsaufgaben. Es geht nicht darum, jemanden unter Druck zu setzen oder vorschnell zu bewerten. Es geht darum, beobachtbare Leistung sachlich zu benennen, die Gründe zu verstehen und einen Weg zurück zu verlässlichen Ergebnissen zu vereinbaren. Ein gutes Gespräch verbindet Klarheit mit Respekt.

Infografik zu Low Performance im Team ansprechen: Gesprächsleitfaden für Führungskräfte (KI-generiert)

Infografik zu Low Performance im Team ansprechen: Gesprächsleitfaden für Führungskräfte (KI-generiert).

Low Performance erkennen, ohne vorschnell zu urteilen

Low Performance bedeutet nicht automatisch mangelnde Motivation oder fehlende Kompetenz. Vielleicht sind Prioritäten unklar, Schnittstellen funktionieren schlecht oder die Person ist mit einer neuen Aufgabe überfordert. Vielleicht fehlen Informationen, Ressourcen oder Entscheidungen. Es kann auch private Belastungen geben, die sich auf die Arbeit auswirken, ohne dass du Anspruch auf Details hast.

Wichtig ist deshalb die Unterscheidung zwischen einer einzelnen Schwächephase und einem wiederkehrenden Muster. Ein Fehler, eine verspätete Lieferung oder ein schwieriger Monat sind noch keine anhaltende Leistungsschwäche. Du solltest genauer hinschauen, wenn sich Probleme häufen oder wenn vereinbarte Standards trotz Rückmeldung dauerhaft nicht erreicht werden.

Bereite dich mit Fakten vor. Sammle konkrete Beobachtungen aus einem überschaubaren Zeitraum und trenne dabei Beobachtung, Wirkung und Vermutung.

EbeneBeispiel
BeobachtungDrei vereinbarte Statusberichte kamen nach dem Termin und enthielten offene Punkte ohne Kennzeichnung.
WirkungDas Projektteam konnte Entscheidungen nicht rechtzeitig vorbereiten.
VermutungDie Person arbeitet möglicherweise unstrukturiert.

Die Vermutung gehört nicht als Feststellung ins Gespräch. Sie kann sich als falsch erweisen. Bleibe zunächst bei dem, was du tatsächlich gesehen, gelesen oder gehört hast. Formulierungen wie „Du bist unzuverlässig“ oder „Du gibst dir keine Mühe“ bewerten die Person. Sie lösen meist Verteidigung aus und helfen nicht bei der Ursachenklärung.

Das Gespräch zeitnah und in einem passenden Rahmen führen

Warte nicht, bis du innerlich bereits ärgerlich bist oder der Schaden groß geworden ist. Ein zeitnahes Gespräch ist fairer, weil die Situation noch präsent ist und Korrekturen möglich sind. Plane ausreichend Zeit ein, wähle einen vertraulichen Raum und sorge dafür, dass ihr nicht direkt danach auseinanderlaufen müsst.

Kündige das Gespräch sachlich an. Du musst nicht schon in der Einladung ein Urteil formulieren. Ein Satz wie „Ich möchte mit dir auf die Qualität und Termine der letzten Aufgaben schauen und klären, was wir künftig anders brauchen“ setzt einen klaren Rahmen.

Gerade bei heiklen Themen hilft es, das Ziel zu Beginn offen zu benennen: Du willst verstehen, was hinter der Entwicklung steckt, und du willst eine verlässliche Verbesserung erreichen. Damit machst du deutlich, dass das Gespräch weder eine Abrechnung noch ein unverbindlicher Austausch ist.

Gesprächsleitfaden: Von der Beobachtung zur Vereinbarung

Eine klare Struktur verhindert, dass das Gespräch in Vorwürfen, Erklärungen oder allgemeinen Vorsätzen stecken bleibt. Die folgenden sechs Schritte kannst du an deine Situation anpassen.

1. Anlass und Ziel benennen

Starte direkt, ruhig und konkret. Vermeide lange Einleitungen, die Unsicherheit erzeugen.

Du könntest sagen: „Ich möchte mit dir über die letzten Wochen sprechen. Mehrere Aufgaben wurden später als vereinbart abgeschlossen, und die Qualität der Ergebnisse hat nicht dem entsprochen, was wir brauchen. Mir ist wichtig, die Gründe zu verstehen und verbindlich zu klären, wie wir wieder zu verlässlichen Ergebnissen kommen.“

Damit benennst du das Problem, ohne die Person abzuwerten. Zugleich machst du deutlich: Das Thema ist relevant und wird nicht im Ungefähren bleiben.

2. Konkrete Beobachtungen schildern

Nenne wenige, aber aussagekräftige Beispiele. Bleibe bei überprüfbaren Fakten und beschreibe die Folgen für Aufgaben, Kunden, Projekte oder Kolleginnen und Kollegen.

Zum Beispiel: „Beim Projektabschluss am Montag fehlten zwei vereinbarte Auswertungen. Am Donnerstag davor war der Statusbericht nicht im System, obwohl wir den Termin im Team abgestimmt hatten. Dadurch musste die Projektleitung Informationen nachfordern und die Entscheidung wurde verschoben.“

Sprich in Ich-Botschaften, aber nicht weichgespült. „Ich habe den Eindruck“ ist sinnvoll, wenn du einen Eindruck schilderst. Bei Tatsachen darfst du klarer sein: „Der Bericht war nicht abgegeben.“

3. Die Sicht der Person erfragen

Jetzt hörst du zu. Stelle offene Fragen und gib Raum für eine Antwort. Es geht nicht darum, jede Erklärung sofort zu widerlegen. Du willst verstehen, ob es eine Kompetenzlücke, ein Prioritätenkonflikt, eine Überlastung, ein Konflikt im Umfeld oder ein anderes Hindernis gibt.

Hilfreiche Fragen sind:

  • „Wie erlebst du die Situation selbst?“
  • „Was hat aus deiner Sicht dazu geführt, dass die Ergebnisse nicht wie vereinbart vorlagen?“
  • „Welche Aufgaben oder Anforderungen sind für dich aktuell besonders schwierig?“
  • „Wo fehlen dir Informationen, Entscheidungen oder Unterstützung?“
  • „Was hast du bereits versucht, um die Situation zu verbessern?“

Höre aktiv zu, fasse zusammen und prüfe dein Verständnis. Gleichzeitig gilt: Verständnis ersetzt keine Erwartung. Wenn die Person beispielsweise von zu vielen parallelen Aufgaben berichtet, ist das ein wichtiger Hinweis. Danach musst du gemeinsam Prioritäten klären, nicht lediglich Verständnis äußern.

4. Erwartungen präzise machen

Viele Leistungsprobleme bleiben bestehen, weil Führungskräfte zu allgemein formulieren. „Bitte arbeite sorgfältiger“ oder „Du musst dich besser organisieren“ lässt offen, was konkret anders werden soll.

Beschreibe stattdessen die erwartete Leistung so, dass beide Seiten sie erkennen können. Kläre Ergebnisse, Qualität, Termine, Zusammenarbeit und Verantwortlichkeiten.

Eine gute Vereinbarung beantwortet diese Fragen:

  • Welche Aufgabe oder welches Ergebnis wird erwartet?
  • Woran erkennt ihr die erforderliche Qualität?
  • Bis wann liegt das Ergebnis vor?
  • Welche Zwischenschritte oder Statusmeldungen sind notwendig?
  • Was tut die Person selbst?
  • Welche Unterstützung stellst du bereit?
  • Wann prüft ihr gemeinsam den Fortschritt?

Statt „Bitte werde zuverlässiger“ kannst du sagen: „Die Monatsauswertung liegt künftig bis zum dritten Arbeitstag vollständig im vereinbarten Format vor. Wenn Informationen fehlen oder ein Termin gefährdet ist, informierst du mich spätestens zwei Arbeitstage vorher mit einem Lösungsvorschlag.“

5. Unterstützung verbindlich vereinbaren

Entwicklung gelingt nicht, indem du Probleme einfach zurückgibst. Prüfe, welche Unterstützung sinnvoll ist, ohne die Verantwortung abzunehmen. Das kann eine Priorisierung sein, eine klare Rollenklärung, ein fachlicher Austausch, eine strukturierte Einarbeitung oder regelmäßiges Sparring.

Formuliere Unterstützung konkret: „Wir schauen in den nächsten zwei Wochen jeweils montags auf deine Prioritäten.“ Oder: „Für die nächste Auswertung arbeitest du einmal mit der erfahrenen Kollegin zusammen und dokumentierst anschließend deinen Ablauf.“

Bei uns erleben wir in Führungstrainings oft, dass gerade neue Führungskräfte zwischen zwei Extremen schwanken: Sie kontrollieren jede Kleinigkeit oder sie hoffen, dass sich die Situation von allein löst. Wirksam ist etwas anderes: Du gibst Orientierung, ermöglichst Unterstützung und hältst die Verantwortung dort, wo sie hingehört. Passende Seminare und Termine findest du bei uns auf cmt.de.

6. Follow-up festlegen und konsequent durchführen

Ein gutes Gespräch ohne Nachhalten bleibt ein guter Vorsatz. Vereinbare deshalb vor dem Abschluss einen konkreten Folgetermin. Er sollte nah genug liegen, damit ihr Fortschritte und Hindernisse rechtzeitig erkennen könnt.

Halte die Vereinbarung kurz schriftlich fest. Das schafft Transparenz und verhindert unterschiedliche Erinnerungen. Notiere Fakten, Ziele, Termine, Unterstützung und den Zeitpunkt eures nächsten Gesprächs. Die Notiz ist keine Drohung, sondern eine gemeinsame Arbeitsgrundlage.

Im Follow-up schaust du erneut auf beobachtbare Ergebnisse. Frage: Was wurde erreicht? Was hat geholfen? Wo gibt es weiterhin Hindernisse? Wenn Fortschritte sichtbar sind, benenne sie. Anerkennung für konkrete Verbesserungen stärkt die Bereitschaft, dranzubleiben. Wenn Vereinbarungen nicht eingehalten wurden, sprich auch das klar an und prüfe, welche weiteren Schritte innerhalb deiner Organisation erforderlich sind.

Typische Fehler im Gespräch vermeiden

Ein häufiger Fehler ist das Sammeln von Frust über Wochen oder Monate. Dann kommt im Gespräch eine lange Liste auf den Tisch, an die sich die andere Person kaum erinnern kann. Sprich relevante Entwicklungen früh an und konzentriere dich auf die wichtigsten Beispiele.

Ebenso problematisch sind unklare Erwartungen. Wenn du keine messbare Vorstellung davon formulierst, was sich ändern soll, kannst du später keine faire Rückmeldung geben.

Vermeide auch vorschnelle Lösungsangebote. Wer sofort sagt „Dann musst du dich eben besser organisieren“, übersieht möglicherweise den eigentlichen Engpass. Ursachenklärung braucht Fragen und Zuhören.

Schließlich solltest du nicht in eine reine Unterstützungsrolle rutschen. Es ist richtig, Hindernisse zu reduzieren. Es ist nicht deine Aufgabe, dauerhaft Ergebnisse zu kompensieren, die zur Verantwortung der Person gehören.

Checkliste vor dem Gespräch

  • Ich kann konkrete Beispiele für die Leistungsschwäche benennen.
  • Ich habe Beobachtungen, Auswirkungen und Vermutungen getrennt.
  • Ich kenne den erwarteten Standard für Aufgabe, Qualität und Termin.
  • Ich plane ausreichend Zeit und einen vertraulichen Rahmen ein.
  • Ich habe offene Fragen zur Ursachenklärung vorbereitet.
  • Ich weiß, welche Unterstützung ich realistisch anbieten kann.
  • Ich werde einen verbindlichen Termin zum Nachhalten vereinbaren.

Low Performance anzusprechen verlangt Haltung: Du behandelst die Person respektvoll, ohne das Problem kleinzureden. Klarheit ist dabei kein Gegensatz zu Wertschätzung. Im Gegenteil: Wenn du Erwartungen transparent machst, zuhörtst, Unterstützung vereinbarst und Fortschritte konsequent nachhältst, schaffst du die Grundlage für Entwicklung, Verlässlichkeit und ein faires Teamklima.

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